Wie viele Wörter hat eine Buchseite? Normseite & echte Werte
Als Faustregel für Manuskripte gilt die Normseite mit 250 Wörtern (30 Zeilen zu 60 Anschlägen). Gedruckte Bücher weichen davon deutlich ab: Taschenbücher packen oft 250 bis 350 Wörter auf eine Seite, großzügig gesetzte Hardcover und Kinderbücher teils unter 200.
Statt mit der Faustregel rechnet Buchfakten mit echten Zahlen: Für Bücher mit gemeinfreiem Volltext zählen wir die Wörter maschinell und teilen sie durch die Seitenzahl der Referenzausgabe. Der Median über diese Titel ist auch der Umrechnungsfaktor des Lesedauer-Rechners, wenn statt der Wortzahl nur die Seitenzahl bekannt ist.
Die Spannbreite ist erheblich: In unserem Bestand liegen die wortärmsten Bilderbücher bei deutlich unter 100 Wörtern je Seite, textdichte Gesellschaftsromane erreichen mehr als 300 - ein Faktor von drei bis vier zwischen beiden Enden. Wer selbst nachrechnen will, findet die Beispiele mit Quellenangabe weiter unten auf dieser Seite.
Echte Wörter-pro-Seite-Werte aus unserem Bestand
Tabelle seitlich scrollbar
Warum die Normseite in der Praxis abweicht
Die Normseite mit 250 Wörtern ist eine Manuskript-Konvention für Verlage und Lektorat - keine Eigenschaft gedruckter Bücher. Im gesetzten Buch verändern Schriftgrad, Zeilenabstand, Satzspiegel und Papierformat, wie viele Wörter auf eine Seite passen. Bilderbücher und reich illustrierte Kinderbücher liegen mit ihrem hohen Bildanteil oft weit unter 100 Wörtern je Seite, dicht gesetzte Romane für Erwachsene können 350 Wörter und mehr erreichen.
Wörter pro Seite nach Buchtyp
Der Unterschied lässt sich an unserem eigenen Bestand ablesen: Struwwelpeter kommt mit seinem hohen Bildanteil auf rund 65 Wörter je Seite, Max und Moritz auf rund 40. Ein textdichter Gesellschaftsroman wie Buddenbrooks erreicht dagegen rund 320 Wörter je Seite - fast das Fünffache. Ein einzelner pauschaler Umrechnungsfaktor für „ein Buch" existiert deshalb nicht; er hängt immer vom Buchtyp ab.
Wörter pro Seite selbst nutzen
Der Bestands-Median aus wortgezählten Volltexten ist genau der Faktor, mit dem der Lesedauer-Rechner rechnet, wenn statt der Wortzahl nur die Seitenzahl eingegeben wird. Wer eine genauere persönliche Zahl will, zählt die Wörter einer vollen Textseite des eigenen Buches aus und nutzt sie als eigenen Umrechnungsfaktor - der Ratgeber Durchschnittliche Lesegeschwindigkeit zeigt, wie sich daraus die eigene Lesezeit ableiten lässt.
Wörter pro Seite und Schriftgröße hängen zusammen
Die Wörter-je-Seite-Zahl ist im Kern eine Funktion aus Zeichen je Zeile mal Zeilen je Seite - beides bestimmt der Satzspiegel der jeweiligen Ausgabe. Großdruck-Ausgaben, wie sie manche Verlage für sehschwache Leser anbieten, verdoppeln teils die Seitenzahl bei identischem Text, weil sie mit deutlich weniger Wörtern je Seite auskommen. Das ist einer der Gründe, warum die Seitenzahl allein wenig über den tatsächlichen Textumfang aussagt - mehr dazu im Ratgeber Warum Seitenzahlen je Ausgabe verschieden sind.
Für den Vergleich zwischen Büchern ist deshalb die Wortzahl die verlässlichere Größe, wo sie vorliegt - sie ändert sich nicht mit Schriftgröße oder Papierformat. Auf Buchfakten steht sie für alle Titel mit gemeinfreiem Volltext direkt auf der jeweiligen Buchseite.
Wörter pro Seite beim Exzerpieren und Zitieren
Wer für ein Referat oder eine Hausarbeit abschätzen will, wie viele Seiten eine Textstelle mit einer bestimmten Wortzahl braucht, kann grob mit dem Wert der jeweiligen Ausgabe rechnen - vorausgesetzt, er ist bekannt. Ohne genaue Angabe ist die Normseite mit 250 Wörtern der branchenübliche Näherungswert für Manuskripte und eignet sich als grobe Umrechnung, wenn keine gedruckte Ausgabe vorliegt. Für bereits veröffentlichte Bücher aus unserem Bestand ist der tatsächliche, gezählte Wert genauer als jede Faustregel - er steht direkt auf der jeweiligen Buchseite, sofern ein gemeinfreier Volltext vorliegt. Umgekehrt lässt sich mit demselben Faktor auch abschätzen, ab welcher Seite ein bestimmtes Kapitel ungefähr beginnt, wenn nur die Kapitel-Wortzahl bekannt ist.
Quelle: Deutsche Nationalbibliothek (DNB), SRU · Project Gutenberg (gemeinfreie Volltexte) · Schaetzmodell buchfakten.de · Alle Angaben ohne Gewähr.
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