Lesedauer berechnen
Die Lesedauer eines Buches lässt sich mit einer einzigen Formel abschätzen: Wortzahl geteilt durch Lesegeschwindigkeit ergibt die Lesezeit in Minuten. Ein Roman mit 60.000 Wörtern dauert bei 200 Wörtern pro Minute also rund 300 Minuten, das sind 5 Stunden reine Lesezeit.
Die Schwierigkeit steckt in den beiden Eingangsgrößen. Die Wortzahl steht in keinem Impressum - sie muss gezählt (bei gemeinfreien Volltexten) oder aus der Seitenzahl genähert werden. Und die Lesegeschwindigkeit schwankt je nach Person und Text erheblich. Beide Probleme löst der Lesedauer-Rechner mit belegten Richtwerten aus unserem Datenbestand.
Wichtig zu wissen: Die Formel liefert eine Schätzung, kein exaktes Ergebnis - Konzentration, Textschwierigkeit und Lesepausen wirken zusätzlich. Buchfakten kennzeichnet errechnete Lesedauern deshalb konsequent mit „ca." und verweist auf die zugrunde liegende Methodik.
Ein Rechenbeispiel aus echten Daten
Faust. Eine Tragödie umfasst 30.658 Wörter im gemeinfreien Volltext. Bei 200 Wörtern pro Minute ergibt das 30.658 ÷ 200 = ca. 2 Std. 33 Min. reine Lesezeit. Wer nur 150 Wörter pro Minute schafft, braucht ca. 3 Std. 24 Min.; bei 300 Wörtern pro Minute sind es ca. 1 Std. 42 Min.. Für die eigene Zahl: Lesedauer-Rechner.
Rechenbeispiel: Wortzahl bekannt
Faust. Eine Tragödie umfasst 30.658 Wörter im gemeinfreien Volltext. Bei 150 Wörtern pro Minute sind das 30.658 ÷ 150 = ca. 3 Std. 24 Min., bei 200 Wörtern pro Minute ca. 2 Std. 33 Min. und bei 300 Wörtern pro Minute ca. 1 Std. 42 Min.. Dieselbe Rechnung funktioniert für jedes Buch mit bekannter Wortzahl - der Lesedauer-Rechner übernimmt sie automatisch.
Wenn nur die Seitenzahl bekannt ist
Für die meisten Bücher liegt keine gezählte Wortzahl vor - nur die Seitenzahl. Dann rechnet man in zwei Schritten: zuerst Seitenzahl × Wörter je Seite ≈ Wortzahl, danach die Grundformel. Krieg und Frieden hat im Median 810 Seiten; mit dem Bestands-Median von 238 Wörtern je Seite (siehe Wie viele Wörter hat eine Buchseite?) ergibt das rund 192.780 Wörter und damit ca. 16 Std. 4 Min. Lesezeit bei 200 Wörtern pro Minute. Das ist eine Näherung: Der tatsächliche Wert hängt von Schriftgröße und Satz der jeweiligen Ausgabe ab.
Lesedauer und Seitenzahl sind nicht dasselbe
Zwei Ausgaben desselben Buches können sich um hunderte Seiten unterscheiden, ohne dass sich am Text ein Wort ändert - warum, erklärt der Ratgeber Warum Seitenzahlen je Ausgabe verschieden sind. Für die Lesedauer zählt deshalb nicht die Seitenzahl einer bestimmten Ausgabe, sondern die Wortzahl des Textes. Buchfakten weist Lesedauern deshalb ausschließlich für Bücher mit gezählter Wortzahl aus einem gemeinfreien Volltext aus - nie hochgerechnet aus der Seitenzahl anderer Bücher.
Warum zwei Menschen für dasselbe Buch unterschiedlich lange brauchen
Dieselbe Wortzahl kann bei zwei Lesenden zu spürbar unterschiedlichen Lesezeiten führen - nicht nur wegen des Grundtempos. Wer mit dem Genre vertraut ist, erkennt wiederkehrende Muster schneller; wer parallel Notizen macht oder Stellen erneut liest, braucht entsprechend länger. Auch die Tageszeit spielt eine Rolle: Nach einem langen Tag sinkt die Konzentration und mit ihr das effektive Lesetempo, selbst wenn die grundsätzliche Lesegeschwindigkeit gleich bleibt. Die Formel liefert deshalb bewusst eine Bandbreite statt einer einzelnen Zahl, wenn im Lesedauer-Rechner zwischen den vier Tempo-Stufen gewählt wird. Wer regelmäßig mit dem Rechner arbeitet, bekommt so mit der Zeit ein Gefühl dafür, welche Tempo-Stufe der eigenen Erfahrung am nächsten kommt.
Typische Fehlerquellen bei der Schätzung
Drei Fehler verzerren die Schätzung am häufigsten: Erstens ein zu hoch angesetztes Lesetempo - wer sein Tempo überschätzt, unterschätzt die tatsächliche Lesedauer systematisch. Zweitens ein pauschaler Wörter-je-Seite-Faktor bei sehr textarmen oder sehr textdichten Büchern (siehe Wie viele Wörter hat eine Buchseite?) - der Bestands-Median passt nicht auf jedes Buch gleich gut. Drittens Pausen und Unterbrechungen, die in keiner Formel stecken: Die reine Lesezeit ist immer kürzer als die Zeit, die ein Buch tatsächlich auf dem Nachttisch verbringt.
Wer die Schätzung dennoch nutzt, sollte sie als Richtwert für die reine Lesezeit verstehen, nicht als Zusage. Genau in diesem Sinn sind auch die Lesedauer-Angaben auf den Buchseiten von Buchfakten gekennzeichnet: mit „ca." und einem Verweis auf die Methodik.
Quelle: Deutsche Nationalbibliothek (DNB), SRU · Project Gutenberg (gemeinfreie Volltexte) · Schaetzmodell buchfakten.de · Alle Angaben ohne Gewähr.
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